Foodblogbilanz 2018 | Von Avocados, Datenschutz und Dauerwerbewellen

30. Dezember 2018

Am Ende eines Jahres in Ruhe zurückblicken, das mache ich auf diesem Blog (fast) schon von Anbeginn. Ich finde es immer schön, zu sehen, was man in den vergangenen zwölf Monaten so auf die Beine gestellt hat: Zu sehen, wie ein Blog wächst und wächst und wächst; Man selbst entwickelt sich in die eine oder andere Richtung, dehnt sich hierhin, streckt sich dorthin – hach! Mir gefällt das.

Auf meinem Instagram-Account konntet ihr bereits die #bestnine2018 bewundern, jetzt ziehe ich den offiziellen Jahresrückblick auch auf dem Blog nach. Gesammelt werden alle Beiträge dazu übrigens bei Sina.

1. Was war 2018 dein erfolgreichster Blogartikel?
Mein Bericht dazu, warum wir alle weniger Avocados essen sollten, ist nicht nur mein erfolgreichster Blogartikel 2018, sondern insgesamt der am häufigsten geklickte Post, seit ich „feines gemüse“ aus der Taufe gehoben habe. Der Post wurde auch über Facebook und Co. stark verbreitet und kommentiert. Viele haben sich von meiner Idee inspiriert gefühlt, ab sofort nur noch eine Avocado im Monat zu essen – das fand ich klasse. Ich selbst habe übrigens seit Veröffentlichung des Beitrags im August erst zwei Avocados gekauft, und zwar Bio-Ware aus Spanien. Man kann also auch ohne… Ja, ich war auch überrascht.

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?
Viel bedeutet hat mir der Avocado-Artikel und die Resonanz darauf, weil es – mal wieder – gezeigt hat, dass wir (Food-) Blogger nicht nur monothematisch unterwegs sein und stur Rezepte, Werbung und Pressereisen posten müssen, sondern auch anderweitig unterwegs sein dürfen. Und dass das dann auch gerne gelesen wird, wenn ausreichend Wissen und Herzblut hineingeflossen ist. Ähnlich war es mit meinem Beitrag über „5 Ideen, wie man Zucchini verwerten kann“ oder die selbstgemachten Badebomben, mein erstes nicht-essbares DIY aus der Küche. Das waren keine klassischen Rezepte, mehr Hilfestellung und Inspiration – und wurden trotzdem sehr gut angenommen. Abseits davon mochte ich meinen Beitrag zur ofengerösteten Kürbis-Quitten-Suppe sehr, weil ich das Foto so unheimlich gelungen fand.

3. Und welche drei aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?
Eine schwierige Frage. Hervorheben mag ich aber vor allem Lisa, die mit ihrer #diydontbuy2018-Challenge ein Bewusstsein dafür geschafft hat, dass die Fast-Fashion-Industrie uns auf Kosten anderer Menschen (vor allem Frauen!) kleidet, die Umwelt verschmutzt und uns ständig zu blindem, sinnlosen Massenkonsum verführt. Hier könnt ihr Lisas Fazit lesen. Ich persönlich hatte mir (unabhängig davon) vorgenommen, deutlich weniger Klamotten, insbesondere Fast-Fashion-Labels, zu kaufen. Das mit der Fast Fashion hat so semi-gut geklappt, aber immerhin habe ich anstatt 1800 Euro (2017) nur noch knapp 400 Euro (2018) für Kleidung ausgegeben. Und das macht mich schon ein bisschen stolz. Schritt für Schritt.

4. Welches der Rezepte, die du 2018 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?
2018 war tatsächlich das Jahr, in dem ich vor allem meine eigenen Rezepte – auch die aus den vergangenen Jahren – häufig wieder gekocht und gebacken haben. Warum auch nicht? Man weiß ja, was man an seinen eigenen, erprobten Gerichten hat. 😉 Ich hatte 2018 allerdings ein besonders glückliches Händchen für spannende Rezepte, die ich gleich mehrmals zubereitet habe: Der norwegische Kvaefjordkake wurde zwei Wochen hintereinander unser Sonntagssüß, die Ratatouille-Tarte habe ich mehrfach gebacken – und der leckere Dattel-Dip mit Knoblauch und Frühlingszwiebeln hat sich ebenfalls fest etabliert.

5. Welches Koch- oder Blog-Problem hat dich 2018 beschäftigt? Und hast du es gelöst?
1) Nun, wie viele andere Blogger*innen auch, musste ich mich mit der DSGVO beschäftigen, also den Blog fit für die neuen EU-Datenschutzbestimmungen machen. Leider fing ich relativ spät damit an und erkannte im Mai – kurz vor knapp – dass mir Blogger als Plattform nicht mehr genügen können würde.

Wie ich eben so bin, dachte ich nicht noch länger darüber nach, sondern entschied mich quasi über Nacht, den Blog offline zu stellen und zukünftig selbst über WordPress zu hosten. Darüber hatte ich vor einigen Jahren schon einmal nachgedacht, mich dann aber vor all den Kosten und dem (technischen) Aufwand gescheut. Nun musste ich aber doch da durch – und puuuh, es hat geklappt! Ich habe geschwitzt, ich habe mich geärgert, ich habe die Wochenenden durchgearbeitet und eigentlich immer noch keine Ahnung, was genau in dieser MySQL-Datenbank vor sich geht, aber: Seit Mitte Juni läuft der Blog auf WordPress und ich bin mega glücklich, dass ich mich der Herausforderung gestellt und sie bewältigt habe. Hier könnt ihr meinen Relaunch-Post lesen.
2) Kein Problem, aber doch eine Erwähnung wert: Das Ding mit der Werbung. Den regelmäßigen Leser*innen unter euch wird es eventuell aufgefallen sein: Dieser Blog war 2018 komplett werbe- und kooperationsfrei, zum ersten Mal seit sechs Jahren. Das war so nicht geplant, hat sich aber ergeben. Die Gründe: a) Es kamen deutlich weniger Anfragen als in den Jahren zuvor. b) Die Qualität der Anfragen hat ebenfalls abgenommen beziehungsweise bewegte sich teilweise auf einem Niveau, von dem ich glaubte, wir hätten es bereits vor Jahren abgeschüttelt. c) Die Anfragen, die kamen, und in denen sowohl Ansprache und Vergütung gestimmt haben, wurden von mir abgelehnt – weil das Produkt nicht (mehr) zu mir und diesem Blog passte. Mit der Werbeflut, die die sozialen Medien ergriffen hat, und die mich teilweise enorm stört (wenn ich das Gefühl habe, dass Produkte gefeatured werden, die nicht passen oder Blogs zur Dauerwerbesendung verkommen lassen), sind meine Ansprüche gewachsen.
Was wiederum dazu geführt hat, dass Geld, mit dem ich fest gerechnet hatte, nicht eingegangen ist, nicht eingehen konnte. Darüber habe ich mich stellenweise geärgert und den Kopf geschüttelt: Wieso stauben andere so tolle Kooperationen ab? Und wieso machen wieder andere sogar für den letzten Lappen Werbung, halten ihr Gesicht dafür hin?

Doch letztlich bringen das ganze Vergleichen, das Wundern und der Neid überhaupt nichts. Mein Blog, mein Ding. Ich habe „feines gemüse“ nie ins Leben gerufen, um damit Geld zu verdienen. Jetzt habe ich eben den Salat. Und damit will ich in Zukunft lockerer, stärker und selbstbewusster umgehen. Wenn sich eine sinnvolle Kooperation ergibt, freue ich mich drauf. Wenn nicht: Dann kann ich damit auch leben.

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?
Uff, das kann ich immer so schwer beantworten – ich habe in Norwegen Moltebeeren kennengelernt, seltene und schwer aufzutreibende Beeren, die zu Konfitüre verarbeitet ein wenig nach Maracuja, Apfel und Pfirsich schmecken. Sehr spannend. Keine Neuentdeckung, aber eine Rückbesinnung: Ich habe angefangen, Eintöpfe nach Oma-Art zu kochen. Linseneintopf, Weiße-Bohnen-Eintopf, Grünkohl, das ganze Programm. Jahrelang mochte ich mich damit nicht beschäftigen, jetzt plötzlich finde ich es prima, entspannend – und das Ergebnis überaus köstlich.

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf dein Blog gekommen sind?
Damit kann ich dieses Jahr leider nicht dienen.

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2019?
2019 wird ein besonderes Jahr. Ich hatte es bereits auf Instagram erzählt – ich und mein Mann gehen auf Reisen. Und zwar für dreieinhalb Monate. In dieser Zeit wird es auf dem Blog vielleicht still, vielleicht aber auch nicht. Ich möchte viel über die Reisen und die Erfahrungen, die wir in Nepal, Thailand, Malaysia und Japan machen werden, aufschreiben. Ist dieser Blog dafür der richtige Platz? Ich denke ja. Das hier ist schließlich keine einfache Rezeptsammlung, kein Kochbuch, das man kurz aus dem Regal nimmt, etwas darin nachschlägt und wieder zurückstellt. Das hier ist auch mein Leben. Und deswegen werde ich die Reisen nicht von Rezepten trennen.

Wer mag noch weiter zurückgehen? Hier weitere Rückblicke seit 2012: 
Jahresrückblick 2012
Jahresrückblick 2013
Jahresrückblick 2014
Jahresrückblick 2015
Jahresrückblick 2016
Jahresrückblick 2017

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20 Kommentare

  • Antworten Franzi 30. Dezember 2018 at 12:49

    Juhu juhu juhu, und – also ich – freu mich auch schon riesig über deine Reiseberichte!
    Schöner Jahresrückblick, auf ins neue Jahr. Grüße Franzi (huehnerimkino)

    • Antworten Christina | feines gemüse 30. Dezember 2018 at 12:50

      Danke dir, Franzi! Ich freue mich auch schon!
      Liebe Grüße und guten Rutsch!
      Christina

  • Antworten Anja Lerz 30. Dezember 2018 at 16:51

    Ich freue mich auch auf die Reiseberichte! Benutze sie doch auch ein bisschen Gedankensammlung, was du zu Hause nachkochen wollen würdest und warum (welche Assoziationen mit welchem Essen einhergehen). Dann geht’s vorläufig auch ohne Rezept, da läuft mir schon beim Gesamten daran das Wasser im Mund zusammen 🙂.

    • Antworten Christina | feines gemüse 30. Dezember 2018 at 19:25

      Liebe Anja, vielen Dank für deinen Kommentar. Das ist eine gute Idee mit den Assoziationen, merke ich mir auf jeden Fall. 🙂
      Viele Grüße und einen guten Rutsch!

  • Antworten giftigeblonde 1. Januar 2019 at 11:53

    Avocado, das am meinsten für mich überbewertete Ding der Welt, neben Champagner ggg
    Ich habe 2018 2 Avocados gekauft, und das reicht mir eigentlich eh auch.

    Ansonsten, Nachhaltigkeit fängt echt vor der eigenen Tür an, für mich heißt es halt so weit möglich bio Zutaten zu verwenden.

    Und um auf Reisen zurückzukommen, da kann man es sich leider nicht immer aussuchen, aber ich versuche mein Bestes!

    Für dich und eure Pläne alles gute für 2019!
    lg. Sina

    • Antworten Christina | feines gemüse 2. Januar 2019 at 9:41

      Liebe Sina, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Und das mit der Nachhaltigkeit stimmt natürlich, ein jeder kehr vor seiner Tür 🙂
      Liebe Grüße und ein tolles 2019 für dich!
      Christina

  • Antworten Ulrike 1. Januar 2019 at 12:58

    Ui, das klingt ja spannend.

    Ein wunderbares Jahr 2019 wünsche ich dir

    • Antworten Christina | feines gemüse 2. Januar 2019 at 9:39

      Liebe Ulrike, vielen Dank! Das wünsche ich dir natürlich auch.
      Liebe Grüße,
      Christina

  • Antworten Daniela 1. Januar 2019 at 16:21

    Ein schöner Rückblick :o) Ich würde mich freuen, wenn du auch während eurer längeren Reise in 2019 im Blog berichtest. Ich mag deinen Schreibstil und lese auch Reiseberichte sehr gern. Vielleicht ja auch gepaart mit ein paar Food-Tipps aus den jeweiligen Ländern.

    Liebe Grüße und einen schönen Jahresstart,
    Daniela

    • Antworten Christina | feines gemüse 2. Januar 2019 at 9:39

      Liebe Daniela, vielen Dank! 🙂 Ich werde mich sehr bemühen!
      Dir ein schönes 2019!
      Christina

  • Antworten Tina 1. Januar 2019 at 18:14

    Auf deine Eindrücke aus Nepal bin ich schon ganz gespannt – mich hatte das Land 2010 schwer beeindruckt, und das lag nicht nur an den tollen Cafes auf den Dachterassen mit sehr leckerem Kuchen 😉

    Was die Anfragen angeht, kann ich dir nur zustimmen. Hier sah es in 2018 ähnlich aus und ich bin schon gespannt was das Finanzamt zu dem Thema sagt…die Liebhaberei lässt vermutlich grüßen.

    • Antworten Christina | feines gemüse 2. Januar 2019 at 9:38

      Liebe Tina, danke für deinen Kommentar! Ich freue mich auch sehr auf Nepal, bin allerdings ein wenig nervös, was das Thema betrifft – denn in einem Dritte-Welt-Land war ich noch nie.
      Dir ein tolles 2019!

      LG,
      Christina

  • Antworten Jenni KuneCoco 2. Januar 2019 at 21:32

    Was für ein tolle Jahresrückblick! Ich finds so super, dass du das jedes Jahr machst. Eine schöne Tradition und man kann so gut zurückblicken. Und der 2019er-Rückblick wird dank deines Sabbaticals sicher NOCH spannender! 😀

    Seit deinem Avocado-Post habe ich mir tatsächlich auch nur noch 1 oder 2 mal eine Avocado gekauft (und hatte Guacamole beim Mexicaner, zugegeben). Der hat mich auch sehr zum Nachdenken gebracht.

    • Antworten Christina | feines gemüse 3. Januar 2019 at 14:10

      Danke für deine Worte und den lieben Kommi! <3
      Mal sehen, was dieses Jahr so passiert. 😀

  • Antworten Juliane 3. Januar 2019 at 15:43

    Danke für die regelmäßigen Gedankenanstöße und immer wieder tollen Inspirationen! Ich habe zwar nicht besonders viele Avocados gegessen, aber doch eher gedankenlos. Jetzt überlege ich 2x, bevor ich etwas mit Avocado esse, und setze die Zutat eher sparsam ein.
    Ich wünsche Dir ein tolles neues Jahr 2019 und lese sicherlich auch dieses Jahr wieder viel und gerne bei Dir mit!
    Liebe Grüße!

    • Antworten Christina | feines gemüse 3. Januar 2019 at 21:29

      Liebe Juliane, merci beaucoup! Ich freue mich immer wenn du hier vorbeischaust (und hoffe, dass wir uns eventuell auch mal wieder persönlich begegnen <3)! Hab ein tolles Jahr!
      Christina

  • Antworten Conny 3. Januar 2019 at 16:50

    Liebe Christina,
    das klingt nach einem ganz wunderbaren Jahr, dass da vor Dir liegt. Ich freue mich drauf, wenn Du uns ein bisschen mitnimmst. Ich bin nicht so der Nischenblog-Fan, sondern finde es gut, den Menschen hinter einem Blog zu erkennen. Ich finde, das gelingt Dir sehr gut.
    Hab das allerbeste 2019!
    Herzlichst, Conny

    • Antworten Christina | feines gemüse 3. Januar 2019 at 21:27

      Liebe Conny, ich danke dir sehr für die lieben Worte und wünsche dir auch ein hervorragendes Jahr 2019!
      Viele Grüße,
      Christina

  • Antworten Sabine 3. Januar 2019 at 22:24

    Für die Auszeit wünsche ich euch viel Spaß, inspirierende Erlebnisse und Zeit, sie zu verarbeiten! Auf ein tolles 2019!

    • Antworten Christina | feines gemüse 4. Januar 2019 at 9:28

      Vielen Dank, Sabine! Dir auch ein tolles 2019!

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